gelesen

Montag, 22. Juni 2009

Nachlese

Am Samstag war ich auf einer Lesung in Lauchringen. Nicht allein als Zuhörerin - ich habe aus meinem Buch "Einmal nur den Himmel berühren" gelesen.
Sehr schöne, mich berührende Rückmeldungen habe ich erhalten. Eine Frau sagte, dass eins meiner Gedichte sie so angesprochen habe, wie noch keins zuvor, weil es so sehr für sie und ihre Situation passte. - Ich glaube, ich kann das gar nicht in Worte fassen, was mir das bedeutet.

Neben einigen AutorInnen, die ihre Texte auf www.keinverlag.de veröffentlichen (wo ich auch angemeldet bin), habe ich einen Musiker dort kennen gelernt:
Manuel Torres. Der "Bluesmaker", wie er sich auch nennt, trägt diesen Namen zu Recht. Blues und Fado, unplugged, durften wir als Auflockerung zwischen den Texten genießen.
Ich muss das hier einfach schreiben und ihn empfehlen - seine Musik geht ins Ohr und von dort direkt in Bauch und Herz.
Auf seiner Homepage kann man in seine Musikstücke hinein hören. Zwei CDs gibt es von ihm - beide sehr hörenswert. Ich habe sie mir gleich gekauft.

Auch das (wieder) Treffen von den AutorInnen, die ich zum Teil bisher nur über das Internet kannte, war sehr schön. Bis weit in den Sonntagmorgen hinein saßen wir zusammen, erzählten und lachten und genossen es einfach, dass Menschen, deren Worte man sonst nur liest, plötzlich ein Gesicht, eine Stimme bekommen hatten.

Es war wirklich ein sehr schönes, mal anderes Wochenende!


Und vielleicht denke ich das nächste Mal auch vor einem solchen Ereignis daran, hier darüber zu schreiben...

Sonntag, 1. März 2009

Die Kardinälin - Barbara Goldstein

Ein dickes Buch aus der Bücherei, das ich grad verschlinge. 874 Seiten "zwischen Alchemie und Apokalypse", die Lebensgeschichte der Catarina de Medici im Florenz des 15. Jahrhunderts.
Intrige, Machtmißbrauch, Liebe, Seelenqual und Hingabe, religiöser Fanatismus, Suche nach Wahrheit und neuem Land, Ehre und Vertrauen, Lüge und Bosheit und den Zusammenhalt von Familien und Dynastien, Philosophe, Theologie und "ernsthafte" Wissenschaften... Viele, schwere, gehaltvolle Schlagworte fallen mir ein zum Inhalt.
Selten habe ich ein so dickes Buch gelesen, dass über die Seiten hinweg andauernd und immer wieder neu zu fesseln vermag. Und obwohl ich irgendwann am Anfang mal zum Schluß geblättert und habe und weiß, wie es auf den letzten Seiten ausgeht: Ich muss noch wissen, was dazwischen geschieht. Das spricht, für mich, für dieses Buch.

Momentan bin ich bei 386, habe also noch einiges vor mir. Manchmal ist es, obwohl es auch sprachlich sehr gut geschrieben ist, schwer zu lesen. Das liegt aber daran, dass oftmals lateinische, griechische, spanische oder französische worte und sätze eingestreut sind - oft erklären sie sich aus dem zusammenhang, aber nicht immer. Ein Glossar gibt es nicht, bzw. nur für die erscheinenden historischen Figuren.
Wenn man Seneca, Platon, Thomas von Aquin und andere Gelehrte früherer Zeiten kennt, ist es hilfreich. Dies Wissen ist aber keine Voraussetzung das Buch zu lesen, wenn es stellenweise auch beim Verstehen hilft.

Wie gesagt: Ich verschlinge es gerade und es hält mich manches Mal vom Schlafen ab.
Ich kann es aber trotzdem - oder gerade deshalb - wirklich empfehlen für jene, die historische Romane zu schätzen wissen.

Montag, 21. April 2008

Es ist da!

Beatrix Brockman
und leg ich mich in eine nacht

Heute kam das Buch mit der Post bei mir an.
Edel sieht es aus!
Hardcover, glänzend - und der Inhalt zergeht beim Lesen auf der Zunge!

Auf der Rückseite heißt es:

Gedichte muss man spüren.
Sie gehören zu den wenigen Möglichkeiten, Gefühle direkt zu übertragen. Wie Musik, wie Malerei. Es kommt nicht auf die Worte an, es kommt auf ihren Ausdruck an, auf die emotionale Kraft, die hinter einem Text erblüht.
Und doch sind es gerade die Worte, die facettenreiche Sprache der Beatrix Brockman, die ihre Lyrik zum Besonderen machen. Sie versteht es perfekt, Sonnengeflechte zu erbeben und dabei das Gehirn zu verwöhnen - eine Kombination, die nur selten anzutreffen ist.
Es gelingt ihr einerseits, Traumgestalten aus den Bildern aufsteigen zu lassen, die sie zu zeichnen vermag und sie mit Klang zu nähren, und andererseits, ihren Mut das Leben anzunehmen, in lyrischer Stärke auszudrücken und dadurch einen festen Boden der Zuversicht zu schaffen.
Ihre Gedanken finden sich in den Gedanken anderer und erklingen dennoch unvergleichlich in den Räumen, die wir an ihrer Hand betreten. Und - sie ertönen aus den Seiten dieses Buches.

Evelyne Weissenbach


Ich kann dem nach dem ersten Durchblättern nur beipflichten! Beatrix Brockman verbindet außergewöhnliche Wortbilder mit Gefühlen, die zugleich geerdet sind und auf Höhenflüge mitnehmen. Es ist ein Genuß, in die Gedichte einzutauchen.

Weitere Infos zu dem Buch:

Lyrik
118 Seiten
Hardcover
€ 14,90
ISBN 3-9501961-4-5

Und bestellen kann man es beim Verlag und natürlich bei der Autorin selbst.

Freitag, 11. Januar 2008

Die Farbe des Flieders - Elizabeth Noble

Die Farbe des Flieders
Elizabeth Noble
1. Auflage, Deutsche Erstausgabe April 2004
Goldmann-Verlag, München
(Originalauflage "The Reading Group", Hodder& Stoughton, London 2003)

ISBN 3-442-45588-X
8,90 €
605 Seiten



Klappentext:


Fünf ganz unterschiedliche Frauen zwischen Mitte zwanzig und Anfang fünfzig kämpfen sich durch die Höhen und Tiefen ihres Alltags. Ihre Gemeinsamkeit: Alle vier Wochen treffen sie sich zu einem Lesekreis.
Leidenschaftlich diskutieren sie über die Schicksale ihrer literarischen Heldinnen und geben dabei viel von ihren eigenen Wünschen und Hoffnungen preis.
Die Liebe zu den Büchern lässt die Frauen mit der Zeit ebenso zusammenwachsen wie die gemeinsame Suche nach einem erfüllten Leben...


Autorin:

Eliszabeth Noble lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Guildford, Südengland. Sie schreibt derzeit an ihrem zweiten Roman, der ebenfalls bei Goldmann erscheinen wird.

Übersetzt von Karin Diemerling



Die Bücher des Lesekreises

Januar: Sodbrennen - Nora Ephron
Februar: Mein Sommerschloss - Dodie Smith
März: Abbitte - Ian McEwan
April: Die Frau, die gegen Türen rannte - Roddy Doyle
Mai: Tee mit Selma - Marika Cobbold
Juni: Meine Antonia - Willa Cather
Juli: Das Vermächtnis meiner Mutter - Margaret Forster
August: Verschlossenes Paradies - Anita Shreve
September: Das Urteil am Kreuzweg - Iain Pears
Oktober: Rebecca - Daphne Du Maurier
November: Der Alchimist - Paulo Coelho
Dezember: Das Mädchen mit dem Perlenohrring - Tracy Chevalier



Meine Gedanken zum Buch:

Schon der Klappentext hat mich fasziniert, als ich mir das Buch in der Bücherei auslieh.
Ein Lesekreis von Frauen, die sich über Bücher austauschen und sich dabei näher kommen... da konnte ich mich sofort einfühlen und identifizieren.
Die angegebenen Bücher taten ein Übriges und so habe ich das Buch tatsächlich verschlungen. (Gut, daß es die Feiertage gab, an denen sowieso wenig anderes anlag.)

Wer gehört zu diesem Lesekreis?
Clare - eine junge Frau, die ungewollt kinderlos bleibt, beschließt, sich dem Lesekreis anzuschließen, um ihrer Mutter einen Gefallen zu tun. Clare arbeitet als Hebamme und obwohl ihr dies ihre eigene Kinderlosigkeit immer wieder vor Augen führt, erfüllt ihre Arbeit sie mit Freude. Oft arbeitet sie länger, um ihrem kaltgewordenen Zuhause fernbleiben zu können. Ihre große Liebe zu Elliot droht an ihrem unerfüllten Wunsch zu scheitern.

Harriet - eine etwas chaotische, etwas zu dicke (in ihren Augen) und unordentliche (in den Augen ihrer Freundin) Frau ist verheiratet mit Tim, dem perfekten Ehemann. Nur daß sie selbst diesen Eindruck ihrer Umgebung nicht teilt und auf der Suche nach Leben und Erfüllung ist, und dabei nicht merkt, wie sie Gefahr läuft, ihre Ehe aufs Spiel zu setzen. Aber vielleicht will sie ja genau dies?

Ihre Freundin Nicole - äußerlich und innerlich das Gegenteil von Harriet, aber vielleicht gerade deshalb so eng mit ihr befreundet, bleibt auch nach dem x-ten Seitensprung bei ihrem gutaussehenden Mann Gavin, den sie über alles liebt, seit sie ihm begegnet ist. Ein Leben ohne ihn kann sie sich nicht vorstellen und sie findet sie immer wieder Gründe, ihm zu verzeihen und an eine Wendung in ihrer Ehe zu glauben. Ihre drei Kinder sind ihr Beweis für seine Liebe zu ihm, daran klammert sie sich fest.

Polly ist eine der Älteren in der Runde, geschieden, zwei halberwachsene Kinder und gerade frisch verliebt. In ihrem Glück merkt sie erst spät, daß ihre Tochter Probleme hat und als sie es bemerkt, ist sie bereit, für das Glück ihrer Tochter das eigene aufzugeben. Allerdings hat sie bei ihrem Entschluß weder ihre Tochter noch die Liebe gefragt, ob sie einverstanden sind.

Die Älteste in der Runde ist Susan, die mit Roger verheiratet ist und tatsächlich eine beneidenswert liebevolle und harmonische Ehe führt. Ihre zwei Söhne sind erwachsen und außer Haus, so daß sie Zeit hat für sich. Zeit hätte - wäre da nicht ihre Mutter, die wie aus heiterem Himmel plötzlich pflegebedürftig wird und mehr Kraft beansprucht, als Susan hat.

(Das mag sich teilweise kitschig anhören, ist es aber ganz und gar nicht.)

Diese fünf Frauen treffen sich um gemeinsam Bücher zu lesen. Bzw. sie lesen die Bücher jeweils in den vier Wochen zwischen ihren Treffen und besprechen sie dann. Dabei wird deutlich: "Das eigentliche, verborgene Thema in einem Lesekreis sind die Mitglieder selbst." (Margaret Atwood)
Wie eine jede an das jeweilige Buch herangeht, ob sie es gut oder schlecht findet und was sie daraus schöpft, hängt eng mit ihren persönlichen Situationen, Wünschen und Sehnsüchten zusammen.

Elizabeth Noble schafft es dabei, sowohl Interesse und Mitfühlen zu ihren Protagonistinnen zu wecken, als auch Interesse an den Büchern, die diese lesen.
Die Bücher selbst werden jeweils kurz - mit einer knappen Seite - vorgestellt. Mehr erfährt man dann nur durch die Gespräche der Frauen. Viel ist das nie. Doch das ist nicht schlimm, denn immer wird deutlich, warum das Buch gerade so wichtig oder schwer zu lesen war. Und wie und warum sich die Rahmenhandlungen darum entwickeln.

Der Sprachstil ist einfach, flüssig, aber nicht naiv-simple, auf Kitsch und rosa-rote Gefühle wird weitgehend verzichtet. Man liest gern, ohne sich besonders dafür anstrengen zu müssen. Dabei lernt man fünf Frauen kennen, die sich eine jede mit ihrem Leben abmüht und versucht, im täglichen Kampf zu bestehen. Und ohne weiteres kann man sich an der einen oder anderen Stelle in eine der Frauen hinein versetzen und wünscht und hofft und bebt mit...

Jedes Monatskapitel des Buches ist in einzelne (Zeit)Abschnitte unterteilt, in denen die Tage von einem Lesekreis zum nächsten aus Sicht der einzelnen Protagonistinnen geschildert werden. Dabei stellt man immer wieder erstaunt fest, wo es Berührungspunkte zwischen einzelnen gibt, wie Fäden zusammenlaufen oder sich gar verwirren und wie Freundschaften auf der Probe stehen, sich (neu) finden und festigen.
Schön ist dabei, daß der Leser diese Entdeckungen sozusagen gemeinsam mit den Frauen macht, er wird vom Beobachter immer mehr zu einem Beteiligten, einem sechsten Mitglied im Lesekreis. So kam es mir jedenfalls vor.

Es macht Freude, dies Buch zu lesen und ich habe manche Nacht weit länger gelesen als mir gut getan hätte... Auch wenn es gegen Ende ein wenig so scheint, als sei der Autorin der Atem ausgegangen und sie mit der Logik etwas nachlässig gewesen. (So gibt es z.B. eine Szene, in der Pollys Tochter einen ehemaligen Freund im Kaufhaus trifft und kaum eine halbe Seite später öffnet sie zu Hause einem Besucher die Tür, ohne daß zuvor klar wurde, daß sie das Kaufhaus verlassen hatte. - Da fehlte mir eindeutig ein Übergang.)

Fazit:

Ein Buch, das ich eindeutig empfehlen kann. Und das Lust macht, die angesprochenen Bücher selbst zu lesen - oder gar selbst einen Lesekreis ins Leben zu rufen.

Samstag, 15. September 2007

Belishs Garten - Lilian Noetzel

Belishs Garten ist der erste Roman von Lilian Noetzel. Die 44jährige Autorin studierte nach der Ausbildung zur Weberin Literatur und Rhethorik. Aufgewachsen ist sie in einer deutsch-iranischen Familie und lebt mit ihrer Familie in Tübingen.

Klappentext:
Die ungewöhnliche Liebeserklärung des stummen Kalligraphen
"Belishs Garten" erzählt die sehnsuchtsvolle Geschichte von Manour, dem stummen Kalligraphen aus Persien. Manour ist nach Paris gekommen, um den wohlhabenden Belish zu treffen und für ihn zu arbeiten. Doch dann verliebt er sich in dessen bezaubernde Tochter, die kurz vor ihrer Hochzeit steht. - Voller Poesie beschreibt Lilian Noetzel in ihrem Debütroman die Unmöglichkeit einer Liebe zwischen zwei Menschen, die ihrer Bestimmung zu entgehen versuchen.


Eigene Gedanken:
Schon nach wenigen Seiten war ich sicher, daß ich dieses Buch lieben würde. So eine behutsame, leise, bildhafte und kraftvolle poetische Sprache habe ich wohl bisher in noch keinem anderen Buch gefunden. Jeder Satz ist ein Genuß und viele Zeilen wie ein Gedicht, obwohl doch ohne die dafür typische Form geschrieben.

Äußere Beschreibungen - z.B. des ersten Besuches von Manour bei Belish oder des Stadtviertels, in dem Manours Wohnung liegt - wechseln mit inneren Beschreibungen und Gedanken ab. Beides ist gleichermaßen detailpoetisch geschrieben, ohne dabei überladen zu wirken. Die Sprache muß für diese Geschichte einfach so sein. Nur dadurch wirkt sie so zart und berührend.

Als Kalligraph hat Manour, der stumm geboren wurde, gelernt, daß ein Punkt das kleinste Zeichen ist, das man schreiben kann. "Ein Punkt ist ein kleines Zeichen, kleiner, als Schicksale sonst Zeichen hinterlassen. Er nimmt fast keinen Platz ein." (S.7) "Ich habe Punkte immer gemocht, sie sind das Augenzwinkern eines Schriftzugs." (S.8)
Wenn man die Schreibfeder aufs Papier setzt, so der alte Lehrer von Manour, entsteht ein Punkt und aus diesem Punkt entwickeln sich die Buchstaben, die je nach gewählter Schrift aussehen wie Vögel, die über das Papier schreiten, wie Enten, die watscheln oder wie fliegende Schmetterlinge...

In Belishs Garten blühen Rosen, es gibt einen inneren und einen äußeren Garten und Wege, die alle zu einem Mittelpunkt führen. - In Belishs Haus gibt es Bilder, kleine gemalte Kunstwerke, zu denen Manour eine Geschichte schreiben soll, als Geschenk zur Hochzeit von Belishs Tochter, die unumstößlich festgelegt wurde auf einen Tag, für den die Zeichen des Himmels günstig stehen.
Doch Manour weiß nicht, was er schreiben soll. Er weiß nur, daß er Nuriye wiedersehen muß und daß dieser Wunsch aussichtslos ist. Denn eine Muslima, zumal wenn sie verlobt ist, darf sich mit einem unverheirateten Mann - und schon gar nicht allein - nicht treffen.
So beginnt Manour zu schreiben, was ihm sein Herz eingibt...


Ich hoffe, ich habe nicht zuviel erzählt. Aber doch so viel, daß ihr Lust bekommt auf dieses Buch. Lest es, es lohnt sich unbedingt. Am liebsten würde ich es an ganz viele Menschen verschenken, weil es so zauberhaft ist.

Freitag, 10. August 2007

Lesefutter

Ach ja, ich lese viel zur Zeit.
In drei Tagen habe ich zwei Bücher gelesen. Allerdings dünne TB, keine dicken Schmöker.
Zwei Krimis, sehr unterschiedlich, aber beide wirklich unterhaltsam.

Der erste ist von Friedrich Ani: Süden und das Lächeln des Windes. Es gibt davon eine ganze Reihe. Für mich war es das erste Buch dieses Autors. Besonders gefallen haben mir die immer wieder eingestreuten wunderschönen Beschreibungen. So ist z.B. in einer Szene vom Staub, der auf den Blättern der Pflanzen kuschelt, die Rede.
Inhaltlich geht es um zwei verschwundene Kinder, die bei Kommissar Süden Erinnerungen an seine eigene Kindheit wachrufen. Verwunderlich ist nur, daß sich die Eltern der Kinder gar nicht wirklich Sorgen zu machen scheinen.
Neben der schönen Sprache bietet das Buch einen Blick hinter die Fassaden scheinbarer Vorstadt-Idylle.


Ganz anders das zweite Buch, auch eine Fortsetzung, wie ich erst am Ende bemerkte. Es ist also in sich abgeschlossen und man kann es sehr gut lesen, ohne das erste zu kennen.
Franziska Stalmann: Das rote Fenster.
Anna ist neu eingezogen in ihre Wohnung. Den ersten Kontakt hat sie mit Maria, der 15jährigen Tochter ihrer Nachbarin, die ihr bei einem epileptischen Anfall vor die Füße fällt.
Eines Abends sieht Anna Maria hinter ihrem rot erleuchten Fenster - nackt tanzend - für einen wesentlich älteren Mann.
Wenig später ist Maria tot und Anna auf der Suche nach ihrem Mörder.

Vom Stil her wesentlich nüchterner geschrieben, brauchte ich eine Weile um richtig hinein zu kommen. Aber bald war ich durchaus gefesselt von Annas Gedanken und Gefühlswelt.
Denn nicht nur die Geschehnisse vor dem Mord bringen ein wenig Erotik in den Krimi, auch Annas Kampf mit der Trauer um ihren zu früh verstorbenen Mann und ihre Begegnungen mit anderen möglichen Partnern bringen die eine oder andere prickelnde Situation hervor.


Da ich in der Bücherei Anfang der Woche einen ganzen Stapel an Büchern mitgenommen habe, werde ich morgen sicher ein weiteres Buch anfangen.

Dienstag, 19. Juni 2007

Fred Vargas - Der vierzehnte Sten

Ich hab das Buch bereits wieder zurückgebracht in die Bibliothek, aber gerade den Auftrag an meinen Mann gegeben, mir ein neues von der Autorin mitzubringen.

Fred Vargas ist Französin, Archäologin und sie ist Krimiautorin. Eine sehr gute Krimiautorin.
Zumindest wage ich es, dies nach dem Lesen von Der vierzehnte Stein zu behaupten. - Ganz allein stehe ich damit nicht, denn sie bekam den 1. Platz des Deutschen Krimi Preises 2004 International für ihren Krimi Fliehe weit und schnell, dem Vorgängerband zu Der vierzehnte Stein. -

Der vierzehnte Stein ist ein Band aus einer Reihe um den Kommissar Adamsberg - ein Einzelkämpfer, der sich am liebsten auf sich und seine Intuition verläßt. Damit feiert er überraschende Erfolge, die ihm sowohl Anerkennung als auch Neider einbringen.
Diesmal kommt Adamsberg jedoch in Situationen, wo ihm seine Intuition allein nicht mehr weiterhilft. Er ist plötzlich angewiesen auf Hilfe und Unterstützung von anderen und es fällt ihm schwer, sich darauf einzulassen.

Die Sprache von Fred Vargas ist poetisch, aber ohne Schnörkel, Facettenreich und doch eindeutig. Sie schreibt klar, dabei bildhaft und äußerst spannend. Und auch für das, was anfangs absolut unglaubwürdig scheint (ja, den Kommissar selbst unglaubwürdig erscheinen läßt) findet sie im Verlauf der Erzählung überraschend logische Erklärungen.


Zum Inhalt könnt ihr Näheres lesen, wenn ihr der 2. Verlinkung oben folgt.

Nur kurz daher:
Es geht um Mord, genauer um Morde, die für Adamsberg in offensichtlichem Zusammenhang stehen. Allerdings steht er mit dieser Meinung allein. Verknüpft damit sind Erinnerungen an seine Jugendzeit und eine erfolglose Jagd auf den vermeintlichen Mörder. Nach 15 Jahren stößt Adamsberg auf eine neue Spur. Und während er diese verfolgt wird er unversehens selbst zum Gejagden.

Unter dem ersten Link findet ihr mehr zur Autorin und zu ihren weiteren Werken.

Montag, 21. Mai 2007

buntschatten und fledermäuse - axel brauns

Mich hat dies Buch von Anfang an gefesselt. Allein schon der außergewöhnlichen Sprache wegen ist es ein Lesegenuß.

Man begegnet Buntschatten - Menschen, die es gut mit Axel meinen, deren Stimme Klang besitzt und Fledermäusen, die ihm Unverständnis entgegen bringen, mit ihren schrillen Stimmen Geräusch verursachen, das für seine Ohren bedrohlich ist.

Ich lernte den Unterschied zwischen Lippenlärm, Geräusch, Klang und Bedeutung verstehen. Seine ganze Wahrnehmung ist anders als bei einem nicht-autistischen Menschen.
So ist z.B. Schmerz für Axel nicht nur ein unverständliches Wort, er kennt auch das Gefühl nicht. Für ihn ist es sogar eine Freude, wenn er "Anwesenheit" in seinem Fuß spürt...
Wichtige Beschäftigungen sind "lichteln" und "wischeln", wodurch Muster entstehen, die "ihre Belohnung in sich selbst fanden".
Immer wieder geschieht, was er ausdrückt als ein "die Augenblicke verschmolzen. Die Zeit ertaubte."

Im Alter von zwei Jahren zog er sich in seine eigene Welt zurück, wurde sich selbst genug. Seine "Lippen ermüdeten, die Silben verdorrten, wurden zu Staub". Mühsam erst lernt er mit Hilfe einer Sprachtherapeutin wieder Laute und Worte zu formen.

Berührend fand ich das stete Bemühen, das Unverständliche, Andersartige seiner Umwelt zu verstehen. Dort, wo es ihm nicht gelingt (was überwiegend der Fall ist) lernt er zu akzeptieren, nachzuahmen, sich anzupassen.
Erstaunlich ist es, dass die vielen Widrigkeiten der unverständlichen Umgebung ihn nicht zerbrechen, sondern er an den Herausforderungen und Niederlagen wächst und reift. Dennoch: Je älter er wird, desto mehr fällt ihm seine Andersartigkeit auf, desto sehnlicher wünscht er sich, "vollständig" zu sein.

Irgendwann stellt er fest, daß er alles, was er weiß, auswendig gelernt hat. "Alle Herausforderungen meines Lebens hatte ich gemeistert, nur an einer Aufgabe war ich gescheitert: Gefühle kann man nicht auswendig lernen." (Seite 374)

Die Unterstützung (fast dachte ich manchmal Ignoranz seiner Eltern, besonders der Mutter, seinem Autismus gegenüber) bringt ihn aufs Gymnasium, wo er sein Abitur macht. Er studiert BWL und Jura (beide Studien bewußt begonnen und abgebrochen) und wird Schriftsteller.
Für einen Auszug aus "Buntschatten und Fledermäuse" gewann er den Förderpreis der Stadt Hamburg (seine Heimatstadt) 2000.

Von Axel Brauns gibt es inzwischen zwei weitere Bücher:
Kraniche und Klopfer (Roman)
Tag der Jagd (Krimi)



PS: Am liebsten würde ich euch ganze Passagen aus diesem Buch zitieren, manche Formulierungen sind so wunderbar, sie zergehen wie Besee (Baiser) - Axels Lieblingsgebäck in Kindertagen - auf der Zunge. Aber ein bißchen was muß ja für euch noch zum Entdecken übrig bleiben...

Fazit: Absolut empfehlenswert! (Und nicht nur dann, wenn man sich für die Welt eines Autisten interessiert.)

Sonntag, 15. April 2007

Freedom Writers

Buch und Film sind gleichermaßen empfehlenswert.

Eine Inhaltsangabe gebe ich nicht, da gibt es viele Seiten, die das besser können - oder lest am besten gleich auf dieser Seite:
Freedom Writers
(Dort gibt es auch einen Trailer.)

Ich habe zuerst den Film gesehen, nachdem ich in das Buch nur mal hineingelesen und eine Buchvorstellung gelesen hatte. Schon da war ich sehr fasziniert und war sicher, sowohl den Film sehen zu wollen als auch das Buch ganz zu lesen.

Zu Anfang dachte ich, daß man diese Geschichte über eine engagierte Lehrerin, die so ganz anders ist als das Schulsystem, ja schon kennt. Aber dennoch fesselte mich der Film. Er ist sehr intensiv, glaubwürdig und ich habe zwischendrin auch mal die Tränen nicht zurückhalten können.

Inzwischen habe ich auch das Buch fast durchgelesen. Im Vergleich mit dem Film ist es mindestens ebenso intensiv, fesselnd, berührend, aufrüttelnd. Manches wurde im Film zusammengefaßt oder einzelnen Personen zugeordnet, was im Buch nicht immer so erkennbar ist, da die Tagebucheinträge anonym bleiben. Einige Begegnungen, die das Buch eindrücklich schildert, sind im Film weggefallen, während dort eine (an Erin Gruwells aufreibender Arbeit und Enthusiasmus) zerbrechende Ehe - Hollywood eben - hinzugefügt wird. (Zumindest habe ich bis jetzt im Buch nicht mit einem Wort von einem Ehemann gelesen. Im Film sind es aber durchaus auch eindrückliche Szenen der Ehe. Schade, daß man das offensichtlich meinte zu brauchen, anstatt auch in diesem Punkt nahe am Buch zu bleiben.)

Buch und Film sind Aufrufe für Toleranz und Akzeptanz. Ein Zeugnis dafür, daß Menschen Dinge erreichen können, die ihnen niemand (auch sie selbst nicht) zugetraut hätte - nur weil es einen Menschen gibt, der an sie glaubt, ihnen vertraut und sie unterstützt und fördert. Und eine Mahnung, wie sinnlos im Grunde Gewalt und Krieg sind, ob nun im Kleinen oder Großen. Und daß es nie zu spät ist, etwas (und sich) zu ändern.

Samstag, 27. Mai 2006

kindersprüche

gibt es bei lemmie - die sind so wunderschön, daß sie unbedingt von ganz vielen gelesen werden sollten. einen ersten teil gibt es auch davon.
einfach köstlich!

ich kopiere sie nicht hier her, weil ich finde, wenn lemmie sie entdeckt hat, kann man ruhig bei ihr gucken.
aber diesen einen hier, den finde ich einfach zu süß:
oma ist so dick, weil sie so voller liebe steckt.

ist das nicht herzig?

Mein Buch


Einmal nur den Himmel berühren

nähere Infos, Bestellungen bitte per Mail an claire punkt delalune ät arcor punkt de

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